Expert:innenartikel

PV-Strom besser nutzen: Warum sich Optimierung jetzt besonders lohnt

10. Juni 2026

Zuletzt stark ausgebaute, dargebotsabhängige Erzeugungsanlagen, vielfach (noch) fehlende Speicherkapazitäten und teils nicht ausreichend, regelbare Kraftwerkskapazitäten führen zunehmend zu mitunter stark schwankenden Börsestrompreisen. Diese Entwicklung beeinflusst auch die Wirtschaftlichkeit von (privaten) Photovoltaik-Anlagen und erfordert neue Zugänge und Strategien, um eigenerzeugten Strom ökonomisch besser zu nutzen. Was Photovoltaik-Einspeiser:innen nun tun können, um Photovoltaik-Anlagen besser wirtschaftlich zu betreiben, lesen Sie in diesem Expert:innenartikel. 

 

Warum und wann es zu negativen Strompreisen kommt 

Wenn eine hohe Strom-Erzeugung und ein niedriger Strom-Verbrauch gleichzeitig auftreten, entstehen kurzfristige Überschüsse, die oftmals weder vor Ort genutzt noch in ausreichender Menge exportiert werden können. Der Strommarkt bildet einen solchen Überschuss durch niedrige oder sogar negative Preise ab. Diese Phasen mit negativen Strompreisen sind mittlerweile kein Einzelfall mehr. Sie treten mit zunehmender Häufigkeit in den Sommermonaten und über die Mittagsstunden auf. Zudem häufen sich diese Phasen speziell an Feiertagen und Wochenenden zwischen Mai und September. 

Negative Strompreise sind ein Marktsignal. Sie sind zudem Ergebnis des erfolgten Photovoltaik-Ausbaus (PV-Ausbaus) der vergangenen Jahre in der Steiermark, Österreich und ganz Europa. Mit dem starken PV-Ausbau gingen aber auch steigende Netzbelastungen und Herausforderungen bei der Laststeuerung unter anderem aufgrund der volatilen Einspeisung von PV-Strom einher. Die Entwicklung bei PV-Strom macht sichtbar, wo Rahmenbedingungen, Speicher und Flexibilitäten bislang schmerzlich fehlen. 

Wie aus der nachstehenden Grafik hervorgeht, weicht der Wert der PV-Einspeisung, als schwarze Linie dargestellt, zunehmend vom durchschnittlichen Börsenpreis ab, welcher neben der PV auch alle anderen Erzeugungsformen berücksichtigt. Dies trifft vor allem auf das Sommerhalbjahr zu.
 

Abbildung 1: Wertentwicklung bei PV-Strom im Vergleich zum Börsenpreis zwischen Jänner 2022 und April 2026, Quelle: Nach Daten E-Control Referenzmarktwert

Für Produzent:innen von PV-Strom bedeutet diese Entwicklung eine zumindest temporäre Dämpfung der Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen im Vergleich zu anderen Erzeugungsformen aufgrund des für PV typischen sommer- und mittagsspitzenlastigen Erzeugungsprofils. Verbraucher:innen, die bewusst grünen Strom in Zeiten hoher PV-Einspeisung beziehen wollen, können diese Entwicklung für sich nutzen. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.


Beispiel: Preisentwicklung am Spotmarkt mit hoher PV-Einspeisung

Die nachstehende Grafik zeigt als Beispiel den für Einspeisung relevanten Spotmarkttarif der Energie Steiermark SonnenStrom Spot am 01.05.2026. An diesem Maitag war PV-Strom im Überschuss vorhanden. Die hohe Stromaufbringung stand nicht im Verhältnis mit dem für einen Feiertag typisch niedrigen Stromverbrauch. In solchen Situationen, zum Beispiel an Wochenenden oder Feiertagen mit viel Sonnendargebot und wenig Verbrauch, kann es zu sehr niedrigen oder sogar negativen Preisen für Strom kommen. 

Die Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung nimmt in diesen Phasen entsprechend ab. Besonders betroffen sind hiervon laut österreichischer Energieagentur insbesondere jene PV-Anlagen-Besitzer:innen, die während der Energie- und Gaskrise (2021/22) bei damals noch hohen Einspeisetarifen und infolge überzogener Marktpreiserwartungen PV-Anlagen - oftmals ohne Speicher - errichtet haben. 

Abbildung 2: 24-Stunden Übersicht zu Spotmarkttarif der Energie Steiermark SonnenStrom Spot am 01.05.2026

Durch die aktuellen Preisentwicklungen am Spotmarkt entstehen in den vorgenannten Zeiträumen, sohin vorwiegend in den Sommermonaten über die Mittagsstunden, klare Anreize, den eigenen Stromverbrauch gezielt zu erhöhen. Das kann beispielsweise bedeuten, das E-Auto zu laden oder die Waschmaschine und andere stromverbrauchende Geräte zu aktivieren, wenn die Preise besonders niedrig sind. Das kann aber auch bedeuten, die jeweilige Erzeugungsanlage - im Privatbereich zumeist eine PV-Anlage - zu drosseln, da der Strom sonst nur gegen Bezahlung einen Abnehmer findet.

Die aktuellen Marktentwicklungen, mit zunehmenden Phasen negativer Strompreise, machen das zeitliche Auseinanderfallen von Erzeugung und Verbrauch zunehmend sichtbar: Es ist grundsätzlich ausreichend Strom vorhanden, jedoch oftmals zum falschen Zeitpunkt. Auch wenn dieser Umstand für PV‑Einspeiser:innen kurzfristig zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt, sind genau diese Preissignale von zentraler Bedeutung. Sie setzen die notwendigen Anreize für Lösungen wie Speicher, Flexibilität und intelligente Steuerung. Der signifikante PV‑Ausbau der vergangenen Jahre zeigt damit klar Wirkung – und erhöht zugleich die Bedeutung von Systemintegration und neuen Nutzungskonzepten.  

Mit einer transparenten Kommunikation zu den aktuellen Herausforderungen bei PV-Strom kommt die Energie Steiermark den Empfehlungen der Österreichischen Energieagentur nach. Ziel muss es demnach sein, die Akzeptanz und das Bewusstsein für Marktentwicklungen zu erhöhen. PV-Einspeiser:innen sollen sich – wie alle anderen Akteur:innen auch - fair am Energiesystem beteiligen, nicht aber für ihr bisher gezeigtes Engagement beim PV-Ausbau bestraft werden.

Resümee: PV-Anlagen intelligent steuern und Eigenverbrauch steigern
 

  • Phasen mit negativen Strompreisen sind kein Einzelfall mehr, sie treten mit zunehmender Häufigkeit in den Sommermonaten und über die Mittagsstunden auf. 
  • Die Herausforderungen für PV-Einspeiser:innen liegen nicht mehr nur in der Stromerzeugung, sondern in einer engeren zeitlichen Kopplung von Stromerzeugung und -verbrauch. 
  • Eigenverbrauch, Speicherlösungen und Flexibilität sind entscheidend für einen wirtschaftlichen Betrieb von PV-Anlagen. 
  • Durch intelligente Optimierung und Anpassung an den Strommarkt können PV-Einspeiser:innen die Wirtschaftlichkeit ihrer PV-Anlagen sicherstellen.

Mehr Informationen zu den Möglichkeiten und Strategien für PV-Einspeiser:innen im Umgang mit negativen Strompreisen gibt es im nächsten Blogbeitrag Ende Juni 2026. Dranbleiben lohnt sich! 

Headerbild: Energie Steiermark
Abbildung 1: Wertentwicklung bei PV-Strom im Vergleich zum Börsenpreis zwischen Jänner 2022 und Mai 2026, E-Control
Abbildung 2: 24-Stunden Übersicht zu Spotmarkttarif der Energie Steiermark SonnenStrom Spot am 01.05.2026
Portraitbild: Jakob Mayer zVg
Portraitbild: Andreas Holzer zVg

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