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SAPRO Wind 2026: Neue Flächen für Windkraft auf steirischen Bergen

Die Novelle des Entwicklungsprogrammes für den Sachbereich Windenergie der Steirischen Landesregierung ist ein zentrales Planungsinstrument für den weiteren Ausbau der Windkraft in der Steiermark. Laut dem vorgestellten Entwurf sollen künftig Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von mindestens 1.000 Megawatt (MW) grünen Strom liefern. 18 neue und erweiterte Windkraft-Zonen mit einer Gesamtfläche von 4.800 Hektar sollen dazukommen.

Derzeit steht die Steiermark bei 324 MW installierter Leistung und 122 Windkraftanlagen. Mit den aktuell in Umsetzung befindlichen Projekten wird sich die installierte Leistung auf rund 600 MW erhöhen – weitere Flächenausweisungen sind daher erforderlich. 

Mit dem Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie (SAPRO Wind) legt das Land Steiermark die überörtlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windkraft im Bundesland fest. Das Programm definiert Vorrang-, Eignungs- und Ausschlusszonen und damit jene Flächen, auf denen Windkraftanlagen errichtet beziehungsweise dauerhaft ausgeschlossen werden. Die nun vorliegende Novelle baut auf den bisherigen Versionen von 2013 und 2019 auf und befindet sich noch bis zum 8. Juni 2026 in der öffentlichen Begutachtungsphase. Gemeinden, Unternehmen, Interessensvertretungen und Bürger:innen können in diesem Zeitraum Stellungnahmen einbringen. Auch im Rahmen des Erneuerbaren‑Ausbau‑Beschleunigungsgesetzes (EABG) sind - unter Berücksichtigung der Vorgaben der EU-Richtlinie RED III - künftig Beschleunigungszonen für Wind auszuweisen. Das Land Steiermark geht demnach im Bundesländervergleich mit gutem Beispiel voran.  

 

Gesamtpotenzial für zusätzlich über 700 Megawatt in der Steiermark

Mit den aktuell bereits in Umsetzung befindlichen Windkraft-Projekten wird die installierte Leistung voraussichtlich auf rund 600 MW steigen. Die bisher ausgewiesenen Vorrang- und Eignungszonen sind weitgehend ausgeschöpft. Ein weiterführender Ausbau der Windenergie erfordert demzufolge die Ausweisung zusätzlicher Flächen.

Das Regierungsprogramm der FPÖ-ÖVP-Landesregierung 2024–2029 sieht einen zusätzlichen Zubau von 400 MW Windleistung bis 2030 vor. Langfristig wird eine installierte Gesamtleistung von mindestens 1.000 MW als Ziel ausgegeben. Die vorgelegte Novelle schafft demnach die Grundlage für den im steirischen Regierungsprogramm formulierten zusätzlichen Ausbau von 400 MW. Langfristig ergibt sich dadurch ein Bestand an Windkraft in der Steiermark von mindestens 1.000 MW.

 

„Nur“ 18 neue Zonen aus rund 140 Vorschlägen

Dem SAPRO-Entwurf ging laut Abteilung 17 des Landes Steiermark ein mehrstufiger, wissenschaftlich fundierter Planungsprozess voraus. Rund 20 Projektentwickler haben knapp 140 Planungsinteressen für potenzielle Windstandorte in der Steiermark eingebracht. In einem GIS-basierten Screening wurden diese Flächen dann unter Einbindung der Landesabteilungen geprüft. Nur jene Standorte, die eine hohe technische Eignung mit einem geringen Konfliktpotenzial verbinden, wurden weiterverfolgt. 

Das Ergebnis: Insgesamt 18 Zonen schafften es ins Programm. Diese teilen sich auf in neun neue Vorrangzonen, fünf neue Eignungszonen und vier Erweiterungen bestehender Gebiete. Windkraft ist konzentriert in geeigneten Zonen zulässig (rund 0,3 Prozent der steirischen Landesfläche), in Ausschlusszonen (rund 27 Prozent der steirischen Landesfläche) sind Windkraftanlagen verboten. Die Ausschlusszonen sind im Vergleich zum SAPRO 2019 um rund 40.000 Hektar ausgedehnt worden. Die ausgewiesenen Zonen erstrecken sich über 29 Standortgemeinden und bieten laut Landesregierung Platz für bis zu 164 zusätzliche Windkraftanlagen.

Abbildung 1: SAPRO-Zonen: Vorrang-, Eignungs- und Ausschlusszonen im Sachprogramm Windenergie des Landes Steiermark 2026

Erstes Resümee: positiv, aber weitere Standort-Potenziale nutzen

Für die Energie Steiermark ist das SAPRO Wind ein strategisch wichtiger Baustein, um Ausbauziele bei der erneuerbaren Erzeugung zu erreichen, grünen Strom vor Ort zu produzieren, die Versorgung zu sichern und damit auch Importabhängigkeiten zu reduzieren. Mit dieser Neuauflage kommt das Land Steiermark auch Forderungen der Industriellenvereinigung Steiermark und der Energie Steiermark nach, welche im Masterplan Grüne Energie 2040 abgebildet sind.

  • In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten ist das SAPRO Wind 2026 ein starkes Signal der steirischen Landesregierung für mehr Energieerzeugung in der Region und gegen die teure Abhängigkeit bei Stromimporten - vor allem in den Wintermonaten, wo die Windkraft einen wertvollen Beitrag zum Energiemix leistet. 
  • Für die Energie Steiermark ergibt sich aus dem aktuell vorliegenden SAPRO-Entwurf ein Ausbau-Potenzial im niedrigen dreistelligen Megawatt-Bereich. 
  • Punkte, die im Begutachtungsprozess noch berücksichtigt werden sollen, betreffen beispielsweise die Erweiterung bestehender Windparks. Diese sind nachvollziehbar und begrüßenswert, jedoch befinden sich die ausgewiesenen Erweiterungen oft auf niedrigeren Bergrücken. Hier stellt sich die Frage nach dem potenziellen Windaufkommen und der Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus liegen bei neu ausgewiesenen Standorten teilweise weder Windmessungen noch Netzkonzepte vor. 

Nächste Schritte

Bis zum 8. Juni 2026 läuft die öffentliche Begutachtung des Entwurfs zum SAPRO Wind 2026. Nach Abschluss der Frist werden die eingelangten Stellungnahmen ausgewertet, adaptiert und in eine finale Beschlussfassung überführt. Die Energie Steiermark wird die Möglichkeit nutzen und eine Stellungnahme einbringen, sodass unmittelbar nach Inkrafttreten der Novelle Windkraft-Projekte rasch in konkrete Planungs- und Genehmigungsverfahren übergeleitet werden können. 

Headerbild: Energie Steiermark, Symbol
Abbildung 1: Land Steiermark
Portraitbild Martina Kiefer: ZvG 

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