Headerbild: Energie Steiermark
Abbildung 1 Österreich auf Platz eins im EU-Vergleich beim Anteil erneuerbarer Energie am Stromverbrauch
im Jahr 2024, Quelle: IEA
Abbildung 2 Der Windpark Freiländeralm wird 2026 um 17 neue Anlagen erweitert, Energie Steiermark
Abbildung 3 Agri-Photovoltaik-Anlage in Dobl-Zwaring mit Schafweide, Energie Steiermark
Abbildung 4: KI Generiertes Bild
Abbildung 5 Wasserstoff-Anlage am Renewable Gasfield Gabersdorf, Energie Steiermark
Abbildung 5 Erste Messungen für das Geothermie-Projekt „Tiefenkraft“, Energie Steiermark / SYMBOL
Portraitbild: Martina Kiefer
Portraitbild: Gabriel Haikal
02. Juni 2026
Was passiert, wenn eine der renommiertesten Energiebehörden der Welt Österreichs Energiesystem und -politik unter die Lupe nimmt? Sie findet ein Land mit einer starken Grundlasterzeugung aus Wasserkraft, hohen Pumpspeicherkapazitäten, stabilen Energienetzen, einem hohen Anteil fluktuierender erneuerbarer Stromerzeugung und eine wachsende Kluft zwischen ambitionierten Zielsetzungen und tatsächlicher Umsetzung vor.
Die im Mai 2026 von der Internationalen Energieagentur (IEA), mit Sitz in Paris, veröffentlichte Länderanalyse zum Energiesystem in Österreich bestätigt die ambitionierten österreichischen Ziele sowie den eingeschlagenen Weg der Transformation des Energiesystems. Sie zeigt darüber hinaus zugleich sehr deutlich die bestehenden Verbesserungspotenziale für eine notwendige Beschleunigung und eine systemische Umsetzung der Energiewende auf. Die Energie Steiermark leistet bereits jetzt einen wesentlichen Beitrag für eine sichere, leistbare und nachhaltige Energietransformation in der Steiermark.
Der IEA-Befund auf einen Blick
Vorweg: Der IEA-Befund ist Lob und Kritik zugleich. Er soll Bundes- wie Landesregierungen dabei unterstützen die Wirkung ihrer Energie- und Klimapolitik zu erhöhen. Mit einem rund 90-prozentigen Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch ist Österreich EU-weit beeindruckender Spitzenreiter. Photovoltaik (PV) hat allein im Kalenderjahr 2024 über elf Prozent der heimischen Stromerzeugung generiert, das Stromsystem selbst ist zugleich resilient und versorgungssicher. Soweit das Lob.
Die IEA-Analyse setzt aber nach: Österreich hat extrem ambitionierte Ziele bei zugleich teils schleppender Umsetzungsgeschwindigkeit. Der Bericht benennt insgesamt zehn zentrale Empfehlungen. Diese adressieren das allgemeine energiepolitische Umfeld sowie die zwei Schwerpunkte „Flexibilität des Energiesystems“ und „Stärkung der industriellen Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit“. Fünf Empfehlungen sind nachfolgend hervorgehoben:
- Rascher Beschluss relevanter gesetzlicher Grundlagen: Nach wie vor fehlen wesentliche Gesetzesgrundlagen wie unter anderem das EABG, das EGG und das GWGneu, welche die grundlegenden legistischen Voraussetzungen für einen gesetzlichen Rahmen und eine geeignete Governance-Struktur für die Energietransformation darstellen.
- Klimaziele brauchen realistische Finanzierung: Ambition ohne eine adäquate Finanzierung bleibt Wunschdenken. Die IEA fordert daher eine Neubewertung bei Energiebedarf, Infrastrukturanforderungen und Finanzierungsinstrumenten.
- Flexibilität wird zum Systemprinzip: Das Energiesystem der Zukunft muss in Echtzeit auf schwankende Erzeugung reagieren können. Das ist bisher kaum der Fall und kostet unter anderem dem Staat viel Geld. Batteriespeicher, Pumpspeicher und Demand-Response sind keine Kür, sie sind Pflicht.
- Die Windkraft-Lücke muss geschlossen werden: Windkraft steuert rund zwei Drittel ihrer Jahresproduktion im Winter bei, genau dann, wenn beispielsweise Photovoltaik witterungsbedingt weniger verlässlich liefert. Langwierige Genehmigungsverfahren verschleppen den dringend erforderlichen Ausbau der Windkraft in Österreich seit Jahren.
- Industrie fördern, aber mit Bedingungen: Die heimische Industrie trägt rund 22 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, steht bei der Wettbewerbsfähigkeit aber unter Druck. Staatliche Unterstützung soll fließen, jedoch gebunden an Investitionen in kohlenstoffarme Technologien.

Abbildung 1 Österreich auf Platz eins im EU-Vergleich beim Anteil erneuerbarer Energie am Stromverbrauch im Jahr 2024, Quelle: IEA
Gemeinsam gestalten wir die Energie der Zukunft
Man kann über Energiewende reden, oder sie gestalten. In der Steiermark passiert beides, wie auch die IEA im Prüfbericht punktuell hervorhebt. Die vielen Projekte und Initiativen, welche die Energie Steiermark mit Kooperationspartnern in den vergangenen Jahren nicht nur angestoßen, sondern bereits erfolgreich umgesetzt hat, lesen sich wie eine direkte Antwort auf den IEA-Bericht. Es folgen ausgewählte Praxisbeispiele aus der Steiermark:
Windkraft: Drei Großprojekte gleichzeitig in Umsetzung
Die IEA mahnt im Prüfbericht, die heimische Windkraft-Lücke zu schließen, um den erhöhten Strombedarf in den Wintermonaten zu decken und die Schwankungen der Solarstromerzeugung auszugleichen.
Der Beitrag der Energie Steiermark
Bis 2030 sollen insgesamt 300 Megawatt (MW) Windleistung durch die Energie Steiermark installiert werden. Ein wesentliches Projekt zur Zielerreichung entsteht derzeit auf der Freiländeralm: 15 neue Windkraftanlagen mit 105 MW Leistung liefern nach Fertigstellung erneuerbaren Strom für über 57.000 Haushalte. Das Investitionsvolumen beträgt über 160 Millionen Euro. Die ersten acht Anlagen gingen bereits 2025 in Betrieb. Die Fertigstellung des gesamten Windparks ist für 2026 geplant.
Parallel dazu läuft der Bau des Windparks Soboth-Eibiswald mit 96 MW Leistung, der 2027 in Betrieb gehen wird. Ferner sind die Vorbereitungen für den Windpark Stubalm mit weiteren 60 MW Leistung abgeschlossen - alle Genehmigungen liegen vor, der Baubeginn ist für das erste Halbjahr 2026 geplant und die Inbetriebnahme für 2029. Das Investitionsvolumen dieser drei Windparks: knapp 500 Millionen Euro.
Zugleich zieht die steirische Landesregierung den politischen Rahmen entsprechend nach: Das aktuell in Begutachtung befindliche Sachprogramm Windenergie (SAPRO) weist 18 neue Vorrang- und Eignungszonen mit 4.800 Hektar und einem weiteren Potenzial in Höhe von 700 MW Windkraft im Bundesland aus. Das eröffnet Chancen für die nächste Ausbauphase, an der die Energie Steiermark bereits arbeitet.
Photovoltaik: 1.000 MW – ein Halte-, aber noch kein Endpunkt
Die IEA lobt den zügigen Ausbau bei Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) in Österreich und der Steiermark.
Der Beitrag der Energie Steiermark
In Zahlen gegossen bedeutet das für die Steiermark: Im Sommer 2025 haben die Energienetze Steiermark erstmals mehr als 1.000 Megawatt installierte PV-Leistung in das Stromnetz integriert, mit über 56.000 Einspeise-Zählpunkten. Zum Vergleich: 2009 waren es 254 Zählpunkte.
2025 gingen der 20 Hektar große Agri-PV-Park in Dobl-Zwaring sowie der vier Hektar PV-Park in St. Marein-Feistritz in Betrieb, welche zusammen über 7.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgen. Bereits genehmigt sind neben vielen kleineren PV-Anlagen auch drei weitere Großprojekte mit über 50 MWp. Bis 2030 plant die Energie Steiermark, das Photovoltaik-Portfolio auf rund 300 MWp auszubauen.
Speicher & Flexibilitäten
Ein stabiles Energiesystem braucht mehr als Erzeugung, es braucht Flexibilität. Genau das fordert die IEA in ihrem vorgelegten Bericht. Darunter fallen nicht nur Flexibilitätslösungen wie Pumpspeicher, Großbatteriespeicher oder saisonale Speicher bei der Wärme, oder erneuerbarem Gas und Wasserstoff im Nahebereich der Energieerzeugung, sondern auch auf der Verbrauchseite.
Der Beitrag der Energie Steiermark
In der Vergangenheit hat die Energie Steiermark mit diversen F&E-Speicherprojekten, wie beispielsweise dem Batteriespeicher in Heimschuh oder der Power-2-Heat Anlage in Gössendorf, erste Leuchtturm-Initiativen gestartet. Auch der seit 2026 im Aufbau befindliche virtuelle Kraftwerkspark bildet die Basis für flexible Vermarktungslösungen. Bis 2030 sollen rund 100 MW Batteriespeicher über verschiedene Anwendungsfälle implementiert werden. Dazu zählen unter anderem Co-Location in Kombination mit PV-Großanlagen, sowie Standalone und/oder netzdienliche Anlagen.
Ob sich Speicherlösungen lohnen, hängt von Technik, Strompreisen und gesetzlich-regulatorischen Regeln ab. Attraktive sowie sichere Erträge entstehen nur, wenn mehrere Einsatzmöglichkeiten genutzt und Märkte kombiniert werden. Nach dem Beschluss des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) Ende 2025 sind nun noch zahlreiche weitere legistische und regulatorische Anpassungen wie die EAG Marktprämien bzw. Investitionszuschüsse oder die Systemnutzungsentgelt-Grundverordnung ausständig.
Wasserstoff & Dekarbonisierung der Industrie: Vom Konzept zur Leitung
Die IEA empfiehlt Österreich, Wasserstoff-Startnetze in Industrie-Clustern aufzubauen und nennt die Steiermark explizit als Prioritätsregion.
Der Beitrag der Energie Steiermark
Die Energie Steiermark hat spätestens mit der Gründung einer eigenständigen Wasserstoff-Tochter, der Energie Steiermark Wasserstoff GmbH, im Jahr 2025 das Tempo erhöht. Zudem läuft im Projekt Renewable Gasfield Gabersdorf seit einigen Jahren eine Pilot-Elektrolyseanlage mit 1 MW. Die Leistung soll bis 2030 auf rund 20 MW gesteigert werden. Zudem ist die Energie Steiermark mit drei Elektrolyseprojekten im ersten Hydrogen Valley für industrielle Anwendungen vertreten.
Auch im Bereich Wasserstoffnetz finden bereits wesentliche Aktivitäten statt, um in Zukunft eine multifunktionale Versorgung sicherzustellen: Bis 2030 werden rund 150 Kilometer bestehende Gasleitungen auf Wasserstoffbetrieb umgerüstet. Wesentliches Projekt ist die bereits in Bau befindliche Gashochdruckleitung Bruck–St. Michael-Traboch, welche H2-ready ausgeführt wird. Aus Sicht der Energie Steiermark wird der frühzeitige, nationale Aufbau von Transport- und Verteilstrukturen - noch ganz unabhängig von etwaigen länderübergreifenden Transitmengen - für einen erfolgreichen Markthochlauf entscheidend sein.
Diese Projekte sind keine isolierten Maßnahmen, sondern allesamt eingebettet in den Masterplan Grüne Energie 2040, den die Energie Steiermark gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Steiermark und 22 energieintensiven Industriebetrieben 2024 erarbeitet hat. Das Ergebnis: ein 3,5-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm bis 2029. 1,55 Milliarden Euro davon stemmt die steirische Industrie, zwei Milliarden Euro die Energie Steiermark. Davon hat die Energie Steiermark bereits fast 400 Millionen Euro im Jahr 2025 umgesetzt. Ein wichtiger Konjunktur- und Jobmotor für den steirischen Standort.
Leistungsfähige Energienetze: Das Rückgrat der Energiewende
Die IEA fordert klar die weitere Forcierung eines beschleunigten, integrierten und systemischen Stromnetzausbaus.
Der Beitrag der Energie Steiermark
Auch für uns als Energie Steiermark ist klar: Das Netz ist Rückgrat für die Energiewende. Zehntausende dezentrale PV-Anlagen, alpine Windparks, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen müssen eingebunden, gesteuert und ausbalanciert werden. Das ist Hochleistungssport – täglich, rund um die Uhr. Und die Energienetze Steiermark, als Tochtergesellschaft der Energie Steiermark, arbeitet bereits daran, bis 2030 2.000 MWp aus PV-Erzeugung und 800 MW aus Windkraft ins Netz sicher und effizient zu integrieren. 2025 erreichte die Energie Steiermark mit über 360 Millionen Euro Investitionsvolumen ein absolutes Allzeithoch – rund zwei Drittel der getätigten Investitionen flossen in Vorhaben der Netzinfrastruktur. Auch im Investitionsprogramm bis 2035 wird der Fokus weiterhin stark auf der Ertüchtigung und dem Ausbau der Netzinfrastruktur liegen.
Fazit: Den Weg der Energiewende konsequent fortsetzen
Der IEA-Prüfbericht bestätigt: Die Grundlagen sind geschaffen, die Ziele sind klar definiert. Zugleich sind die beschleunigte und konsequente Umsetzung sowie ein verlässliche Planungs- und Investitionsrahmen erforderlich, um Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Resilienz, Preisstabilität und Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft abzusichern.
Daraus abgeleitet ergeben sich drei zentrale Forderungen:
- Genehmigungen und gesetzliche Grundlagen endlich beschleunigen: Es braucht rasch einen verlässlichen Rechtsrahmen für den beschleunigten Ausbau von Erzeugung, Netzen, Speichern und Flexibilitäten. Offene oder verspätete gesetzliche Grundlagen bremsen Investitionen, verzögern Projekte und erhöhen die Kosten der Transformation.
- Ohne entsprechend integrierte Infrastruktur ist die Energiewende teurer, ineffizienter und systemisch instabiler: Netze, Speicher und Flexibilitätsoptionen müssen regulatorisch, marktlich und förderseitig so behandelt werden, dass sie investierbar und wirtschaftlich tragfähig werden – nicht als Ergänzung, sondern als Grundvoraussetzung für ein erneuerbares Energiesystem.
- Langfristige Investitionssicherheit statt politischer Stop-and-go-Logik schaffen: Österreich braucht einen langfristig planbaren, kosteneffizienten Investitionsrahmen mit stabilen Förder- und Tarifmechanismen, damit die Energiewirtschaft und Industrie die Transformation im Gleichklang mit dem Kapitalmarkt und mit der nötigen Geschwindigkeit finanzieren und umsetzen können.
Was die Internationale Energieagentur von Österreich einfordert, nämlich die hohe Ambition endlich auf den Boden zu bringen, ist in der Steiermark bereits gelebte Realität. Glückwunsch, Steiermark. Und jetzt Tempo steigern!





